Ausblick
Aus den Ergebnissen der Untersuchung zu den Akkumulationsbedingungen im oberen Eisbachtal zeigt sich, dass die dort gelegene Eiskapelle zu mehr als 90 Prozent durch Schneerutschungen gespeist wird. Diese stammen aus dem 160 ha großen, trichterförmigen Einzugsgebiet. Die Größe und Ausdehnung des Eiskörpers hängt jedoch sehr stark von den winterlichen Niederschlagsverhältnissen ab. So schwankte die Größe im Frühjahr während des Untersuchungszeitraums zwischen 5 ha und 7 ha. Die folgende Grafik der Schneedeckenentwicklung an der Klimastation Jenner macht die hohe interannuelle Variabilität in der Höhe und Dauer der Schneedecke für den Zeitraum der letzten 10 Jahre deutlich.
Entwicklung der jährlichen Schneedecke an der Klimastation Jenner (1200 m)
Das große Einzugsgebiet führt dazu, dass die Eiskapelle auch in relativ schneearmen Wintern (wie 2006/2007) ausreichend gespeist wird und den Sommer mit geringen Massenverlusten überdauert. Dieser Umstand macht sie zu einem stabilen geomorphologischen und glaziologischen Geotop, das unabhängig von einem diskutierten Klimawandel zu betrachten ist. Möglicherweise sind die beiden Gletscher im Nationalpark - Watzmanngletscher und Blaueis (siehe Bayerische Gletscher) - die auf ähnliche Weise, jedoch aus einem kleineren Einzugsgebiet gespeist werden, trotz ihrer höheren Lage anfälliger für zukünftige Klimaschwankungen.
