Terrrestrische Geländeaufnahme
Mit einem terrestrischen Laser-Tachymeter wurde am 09.05.2007, am 23.10.2007 und am 28.05.2008 die jeweilige Ausdehnung und Höhenlage der Eiskapelle vermessen. Die Kartierung erfolgte mit einem reflektorlosen Tachymeter, mit dem Distanz- und Winkelmessungen ohne reflektierendes Prisma vorgenommen werden können. Durch Verschneidung der einzelnen Datensätze in einem GIS konnten die Veränderungen der Eisoberfläche im Laufe eines Jahres berechnet werden.
09.05.2007
Nach einem insgesamt schneearmen Winter 2006/2007 und den letzten großen Schneefällen am 20./21. März 2007, aperte die nahegelegene Klimastation Jenner (1200 m) bereits Anfang April aus. Der Talkessel der Eiskapelle wurde trotz der wenigen Schneefälle in diesem Winterhalbjahr aufgrund des großen Einzugsgebietes wieder gefüllt. Zur Zeit der Kartierung Anfang Mai erstreckte sich die Eiskapelle zwischen 829-1033 m über 5 ha.
23.10.2007
Im Oktober 2007 wurde die Vermessung der Eiskapelle wiederholt, um die sommerliche Ablation der Eisoberfläche zu bestimmen. Der frühe Wintereinbruch Mitte September sorgte dafür, dass zum Zeitpunkt der Vermessung eine etwa 30 cm Neuschneeauflage vorhanden war. Trotzdem ließ sich die Ausdehnung und Höhenlage der Eiskapelle, die auf 2,5 ha zusammengeschrumpft war, kartieren. Mit dem Vergleich der beiden Vermessungen ließ sich ermitteln, dass über den Sommer an einigen Stellen bis zu 30 m Schnee und Eis geschmolzen sind. Im Mittel betrug die Ablation über die gesamte Eisoberfläche 13,5 m.
Eingangsbereich der Eishöhle am 23.10.2007
28.05.2008
Da die Schneedecke Anfang Mai im Untersuchungsgebiet noch geschlossen war, konnte die dritte geodätische Vermessung erst am 28.05.2008 durch geführt werden. Im Vergleich zu 2006/2007 war der Winter 2007/2008 durch deutlich stärkere und vor allem noch späte Schneefälle gekennzeichnet. Diese sorgten dafür, dass die Eiskapelle sich über 7 ha und einer Länge von rund 600 m bis weit ins Tal erstreckte und damit um knapp 40 Prozent größer war als noch ein Jahr zuvor. Die mächtige Schneeauflage erhöht die Albedo und schützt die Eisoberfläche vor schneller Ausaperung, so dass der Winter 07/08 als positiv für die Massenbilanz der Eiskapelle angesehen werden kann.
Im Mittel lag die Oberfläche des Eiskörpers 9,4 m (etwa 5,6 m w.e.) höher als im Vorjahr. Besonders großen waren die Zugewinne am westlichen Ende, welches direkt an die Felswand anstößt. Im unteren Teil der Watzmann-Ostwand führt die starke Verwitterung des dolomitischen Gesteins zur Ausbildung von Rinnen und Runsen, die als Leitbahnen für Wasser und Schnee fungieren.
Literatur:
Rödder, T. (2008): Extreme Schneeakkumulation in einem alpinen Gelände - das Beispiel der Eiskapelle, Berchtesgadener Alpen. Diplomarbeit am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Mainz.
