Modellierung der Schneetransportprozesse
Zur Quantifizierung der einzelnen Prozesse, die im hochalpinen Untersuchungsgebiet zur Schneedeckendynamik beitragen, wurden die Ergebnisse zweier physikalisch basierter Modelle verwendet. Weitere Angaben zu den Modellen finden Sie in der Literaturliste.
AMUNDSEN
Die Modellschale AMUNDSEN (Alpine MUltiscale Numerical Distributed Simulation ENgine) wurde von Prof. Dr. U. Strasser (Institut für geographie und Raumforschung, Universität Graz) im Nationalpark Berchtesgaden entwickelt und getestet. Sie simuliert die Schneedeckendynamik in Hochgebirgsräumen kleiner bis mittlerer Größenordnung. Die Eingangsdaten stammen aus dem Netzwerk von automatischen Klimastationen, die im gesamten Nationalparkgebiet verteilt sind. Neben der Interpolation von meteorologischen Parametern in Abhängigkeit der Topographie werden Strahlungsflüsse an der Erdoberfläche, Schnee- und Eisschmelze, Schneeprozesse in Waldgebieten, die Albedo von Schneedecken und Schneerutschung an Hängen modelliert. Besonders die Ergebnisse der Modellierung der Schneeverfrachtung in steilem Gelände wurden zur Untersuchung der Akkumulationsbedingungen an der Eiskapelle herangezogen.
Aus der Karte ist ersichtlich, dass am Hangfuss bei entsprechend großem Einzugsgebiet bis zu 9100 mm Schnee (Angabe in Wasseräquivalent, w.e.) durch Rutschungen von den Hängen akkumulieren können. Aufgrund der unterschiedlichen räumlichen Auflösung
von Modell und DGM werden diese hohen Akkumulationswerte nicht exakt auf der Fläche der Eiskapelle wiedergegeben. Allerdings treten die flachen Gebiete von Eisgraben und Watzmannkar deutlich als Akkumulationsgebiete hervor.
Während im Gebiet der Eiskapelle im Winter lediglich 500 mm w.e. als Schnee fallen, tragen die Rutschungen aus dem trichterförmigen, bis zum Watzmanngipfel aufragenden Einzugsgebiet mit mehr als 9000 mm w.e. zur Akkumulation auf der Eiskapelle bei.
Damit sind die Schneerutschungen mit mehr als 90 Prozent für die Akkumulation am Fuß der Ostwand verantwortlich.
Snow Slides in der Watzmann-Ostwand
SnowTran-3D
SnowTran-3D befasst sich mit der wind-induzierten Schneeverfrachtung, die besonders an exponierten Standorten wie Gipfeln und Gebirgskämmen eine Rolle spielt. Im Einzugsgebiet der Eiskapelle werden
bis zu 2 m (w.e.) Schnee durch Wind verdriftet und im Lee des Watzmanngrates akkumuliert. Zu den hohen Akkumulationsraten auf der Eiskapelle trägt dieser Verlagerungsprozess jedoch nicht unmittelbar bei,
da sich der aufgewirbelte Schnee unmittelbar im Lee des Grates wieder absetzt bzw. bei entsprechenden Strahlungsbedingungen sublimiert. Jedoch können die dort angehäuften Schneemassen indirekt über Rutschungen
nachfolgend vertikal verlagert werden.
Literatur:
Bernhardt, M., G.E. Liston, G. Zängl, U. Strasser und W. Mauser (2007): High resolution modelling of snow transport in complex terrain using simulated wind fields. In: Nationalparkverwaltung Berchtesgaden (Hrsg.): Proceedings Alpine *Snow* Workshop, Forschungsbericht 53: 24-33. Berchtesgaden.(.pdf)
Rödder, T. (2008): Extreme Schneeakkumulation in einem alpinen Gelände - das Beispiel der Eiskapelle, Berchtesgadener Alpen. Diplomarbeit am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Mainz.
Strasser, U. (2008): Modelling of the mountain snow cover in the Berchtesgaden National Park. In: Nationalparkverwaltung Berchtesgaden (Hrsg.): Forschungsbericht 55. Berchtesgaden.(.pdf)
